EDV-Tage Theuern

 
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York LangensteinKarl-Ernst LupprianClemens MenterHelmut Wolf: Von der Informations- zur Wissensgesellschaft

 
Gerade haben wir uns so halbwegs im 'Informationszeitalter' eingerichtet, da soll es schon wieder beendet sein. Abgelöst werde es vom 'Wissenszeitalter', bei dem 'Wissensprozesse mit Hilfe der EDV unterstützt werden'. Mit diesen Thesen leitete der Wirtschaftsinformatiker Professor Wolfgang Renninger von der Fachhochschule Amberg - Weiden die EDV-Tage in Schloss Theuern im Jahr 2002 ein. Bereits seit 15 Jahren kommen Experten aus Museen, Archiven und Bibliotheken immer im September im Bergbau- und Industriemuseum Theuern zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen beim Computereinsatz in ihren Fachinstitutionen zu informieren. In dem genannten Einleitungsvortrag benannte der Referent neben den positiven Auswirkungen der EDV auch die leider allgegenwärtigen 'Todsünden'. Dazu gehört die rein technologiebestimmte Herangehensweise, die sich vor jeglicher Kritik mit einem Wust meist englischsprachiger Fachausdrücke schützt. Es ist die alte Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern, die freilich auch die Handlungsanweisung gibt: Durch gezieltes Nachfragen und Diskutieren können auch die komplexen Probleme der EDV-Anwendungen für die Nutzer vermittelbar werden, ohne dass sich das Gefühl der Hilflosigkeit einstellen muss.

Ein weiteres häufiges Problem neben allzu großer Leichtgläubigkeit liegt darin, dass die Komplexität einer Entscheidung für ein bestimmtes EDB-Programm oft unterschätzt wird. Es reicht schließlich nicht, einige Computer zu kaufen, sie mit neuer Software auszustatten und zu vernetzen. Eine solche Investition ändert immer auch Arbeitsabläufe, erfordert Mehrarbeit oder neue Lösungen. Und so kommt es dazu, dass nur wenige Prozent der investierten Gelder tatsächlich in der Weise genutzt werden, wie man sich das vorgestellt hat. Anders ausgedrückt: Viel zu viel Geld wird schlicht für Dinge ausgegeben, die niemand braucht oder die niemand ausreichend beherrscht.

Die Beherzigung solcher grundsätzlichen Überlegungen ist es schließlich auch, die die Theuerner EDV-Tage zu einer erfolgreichen Tagungsreihe machten. Noch nie ging es hier lediglich um die neuesten technischen Entwicklungen. Immer schon hat man sich auch darüber Gedanken gemacht, wie man die tägliche Arbeit in Museen erleichtern könne, wobei man den Computer stets als sinnvolles Werkzeug, nie als Selbstzweck verstand. Um freilich die neuen Technologien zu beherrschen, muss man sie kennen und genau dazu ist Weiterbildung nötig. Darauf wies auch Landrat Armin Nentwig hin, der in seinem Grußwort den Standortfaktor Wissen hervorhob. Ganz praktisch konnte man bei diesen EDV-Tagen beobachten, wie viele einschlägige Firmen offensichtlich die Gelegenheit nutzten, ihre mögliche Kundschaft direkt anzusprechen: Das alte Hammerherrenschloss war wieder einmal Ideenbörse und Innovationszentrum in einem. Wohl auch deshalb konnte sich die Tagung selbst in ökonomisch klammen Zeiten eines guten Besuchs mit knapp 100 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet erfreuen.

Wie immer bei den EDV-Tagen war die Themenpalette breit. Neben grundsätzlichen Erwägungen gab es auch ganz praktische Hilfestellungen. So erläuterte Rudolf Misera Strategien zum 'Suchen und Finden im Internet' und führte in einem eigenen Kurs in die Gestaltung von Webseiten ein - eine wichtige Aufgabe gerade für die Werbung bei kleineren Museen. Dr. Karl-Ernst Lupprian hob als Vertreter der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns eine Gemeinsamkeit von kleinen Museen und kleinen Archiven hervor: Beide haben kein Geld. Aber auch hier gibt es vielleicht Abhilfe. Wenn sich diese kleineren Institutionen zusammenschließen und gemeinsam Lösungskonzepte vorstellen, können sie in Zukunft vielleicht auf Unterstützung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hoffen. Das deutete zumindest Professor Manfred Thaller von der Universität Köln, Mitglied im Bibliotheksausschuss der DFG, an. Ziel sei, so Thaller, eine Einbeziehung der Museen in eine zentrale 'Informationsinfrastruktur'. Die deutsche Besonderheit hier, anders etwa als im Gegenbeispiel Kanada: Jeder Beteiligte soll in seiner Entscheidung für bestimmte Computerprogramme frei sein; es muss die Aufgabe der zentralen Einheiten sein, auf der Basis der großen Vielfalt flexible Lösungen zu entwickeln. Wie so etwas geht, führte Dr. Jürgen Nemitz (ebenfalls von der Universität Köln) am Beispiel von 'Prometheus' vor. Hinter dem klassischen Namen verbirgt sich eine 'virtuelle Bilddatenbank' speziell für Kunsthistoriker und Archäologen. Der Clou ist: Das Programm wertet automatisch eine Vielzahl deutscher Bilddatenbanken aus, die jeweils auf ganz unterschiedlicher Programmbasis entstanden waren. Aber die Nutzer des Internet sehen eine einheitliche, leicht zu bedienende Oberfläche und müssen nicht bei jeder Datenbank neue Befehle lernen.

Neben solchen zukunftsweisenden Recherchemöglichkeiten wurden auch eine Reihe von neuen EDV-Präsentationen vorgeführt: von der dreidimensionalen Animation der geplanten Architektur des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes über einen virtuellen Rundgang in der Göttinger Sammlung archäologischer Abgüsse bis hin zur interaktiven Führung in der Landesausstellung 2002 des Hauses der Bayerischen Geschichte in Bamberg.

Nach fünfzehn EDV-Tagungen in Theuern steht eines fest: Keine der Institutionen kann heute mehr ohne Computer auskommen. Niemand stellt hier mehr den Nutzen der EDV grundsätzlich in Frage (was vor fünfzehn Jahren durchaus noch eine verbreitete Meinung war), und niemand mehr fordert andererseits verbindliche und allein seligmachende Lösungen. Heute ist die Technik, nicht zuletzt dank der Anforderungen des Internet, so weit fortgeschritten, dass der Austausch von Daten und Informationen auch über Programmgrenzen hinweg erfolgen kann. Bei aller elektronischer Kommunikation bleibt freilich das persönliche Gespräch unverzichtbar: Eben deshalb wird es auch 2003 wieder EDV-Tage in Theuern geben.

 Zur Person

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Dr. York Langenstein (Leiter)

Dr. Helmut Wolf (Museumsleiter bis Ende 2003)
Mitbegründer der EDV-Tage (zusammen mit Rudolf Misera)

Bilder:

Letzte Ergänzung der Webseite: 06.09.10

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