Die gotischen Heiligenfiguren im Regensburger Dom haben im Lauf der Jahrhunderte viel erlebt. Die einstmals kräftigen Farben ihrer Kleidung verblassten, wurden übermalt oder abgewaschen. Doch mit Hilfe des Computers kann man nun zumindest virtuell die alte Pracht wiederherstellen, wie die Teilnehmer der EDV-Tage 1999 in Schloss Theuern staunend erfahren konnten. Dr. Friedrich Fuchs vom Regensburger Diözesanmuseum und der Computer grafiker Raoul Kaufer zeigten, dass man nach sorgfältiger Untersuchung der Originale den Computer nutzen kann wie ein Maler seine Farbpalette: Farbschicht um Farbschicht wurde über Maus und Tastatur aufgetragen, gemischt und schattiert, bis schließlich die mittelalterliche Figur des Petrus plastisch und lebendig in ihrem früheren Farbkleid erschien. Doch Petrus bleibt einstweilen der einzige virtuell ,,bunte Vogel' im Regensburger Dom: Die zeitaufwendige und teure Zusammenarbeit von Geschichte, Kunst und Computergrafik sucht noch einen Sponsor.
Die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, welche die Computerwelt bietet, prägte den gesamten Verlauf der EDV-Tage1999, die wie in den vergangenen Jahren vom Haus der Bayerischen Geschichte, der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museennin Bayern und dem Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern in Theuern veranstetltet wurden. Über hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Museen, Archiven und Bibliotheken in ganz Deutschland konnten sich etwa über die Chancen informieren, die der Handel im Internet (,,eCommerce') diesen Kulturinstitutionen bietet. Rudolf Misera vom Haus der Bayerischen Geschichte stellte hierzu seinen florierenden ,,Buchladen' vir, der insbesondere Ausstellungskataloge und CD-Angebote bereithält.
Aber auch Probleme kamen zur Sprache. Der Kölner Rechtsanwalt Dr. Ulf Vormbrock sortierte die vielfältigen Fallstricke des Urheberrechts, besonders für Bilder im Internet. Viele Tagungsbesucher wurden sich hier wohl unbehaglich bewusst, dass sich ihre Arbeit manchmal in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Und Dr. Ernst Lupprian vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv wies auf die versteckte Abhängigkeit hin, die alle Nutzer von Microsoft-Betriebssystemen notgedrungen akzeptieren. Besonders die Gefahr unerlaubter Internetzugriffe auf das eigene Geschäft müsste manchem begeisterten Netz-Surfer eigentlich den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Trotzdem: EDV und Internet sind heutzutage unverzichtbare Werkzeuge.
Die Handhabung dieser Werkzeuge vermittelte ein Einführungskurs, in dem über 40 Teilnehmer lernten, wie sie eine eigene ,,Homepage' für ihr Museum erstellen können. Doch wie findet man Museen im Internet, wo kann man sich für einen Ausflug über aktuelle Ausstellungen in einer bestimmten Region informieren? Hier wusste Rainer Göttlinger Rat: Er unterhält die vollständigste Museumsliste im Internet und bietet einen einmaligen Service an. Man kann seine stets auf dem neuesten Stand gehalten Seiten nicht nur ansehen (http://WebMuseen.de), sondern sich sogar im kostenlosen Abonnement über neue Ausstellungen in ganz Deutschland informieren lassen. Die Idee zu diesem Service wurde übrigens auf den letztjährigen EDV-Tagen in Theuern geboren - ein Hinweis darauf, daß die EDV-Tage Theuern unterdessen zu einer der wichtigsten Fachtagungen für Museen geworden sind.
Eine Vielzahl von Vorträten und Vorführungen ließ das Programm der EDV-Tage Theuern abwechslungsreich wie kaum jemals zuvor erscheinen. Von der wissenschaftlichen online-Recherche bis hin zur volkskundlichen Inventarisierung mit Hilfe der EDV reichte der thematische Bogen. Da bot dann die letzte Vorführung eine willkommene Entspannung: Das Haus der Bayerischen Geschichte und Raoul Kaufer von XYZ Mediadesign (Regensburg) stellten mit dem ,,Rad der Fortuna' ein Computerspiel vor, das Leben und Überleben in einer Stadt der frühen Neuzeit spannend simuliert. Wer weiß: wenn am Freitag nicht das durchaus reale Mittagsläuten vom Theuerner Kirchturm in den Vortragssaal des Schlosses gedrungen wäre, so ,,klickten' sich die computerbegeisterten Geschichtsfans vielleicht noch immer durch die virtuelle Stadt. Aber ein Trost blieb ihnen: Mittlwerweile kann man das Spiel im virtuellen Buchladen des Hauses der Bayerischen Geschichte bestellen, und zwar unter der Adresse http://www.bayern.de/HDBG.
Dort sind auch die Beiträge dieser Tagung veröffentlicht. Für die umsichtige Zusammenstellung, Gestaltung und Produktion des Tagungsbandes gebührt wiederum Frau Evamaria Brockhoff ein herzliches Dankeschön der Veranstalter. Den Druck des Bandes übernahm das Haus der Bayerischen Geschichte, während die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen über ihren Verteiler wieder für die Verbreitung an die Museen in Bayern sorgen wird. Damit ist eine größtmögliche Effizient erreicht.