EDV-Tage Theuern

 
Druckversion in Extra-Fenster öffnen

Zur Navigationsliste | Zur Designversion

 

York LangensteinHelmut WolfRudolf Misera: Flüchtigkeit und Dauer - Die EDV-Tage 1998 im Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern

 
Auch die Zukunft kommt in die Jahre. Schon zum elften Mal veranstalteten das Bergbau- und Industriemuseum, das Haus der Bayerischen Geschichte und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern die EDV-Tage in Schloß Theuern.

Inzwischen sind diese Tagungen bundesweit ein Mekka für die Praktiker aus Museen, Bibliotheken und Archiven, die sich mit dem Einsatz des Computers beschäftigen. Grund genug für eine Rückschau zu den Anfängen, den 'Urzeiten', denn für die Computerwelt sind zehn Jahre eine halbe Ewigkeit.

Rudolf Misera vom Haus der Bayerischen Geschichte eröffnete die Reihe der Vorträge denn auch mit einer multimedialen Rückschau, die die Geschichte der EDV-Tage mit der Geschichte des Computers verknüpfte. Und es zeigte sich deutlich: Die Veranstalter der EDV-Tage waren immer am Puls der Zeit. Kaum hatte eine der uns heute selbstverständlichen Neuerungen den PC-Markt erreicht, wurde sie in Theuern vorgestellt und diskutiert. So verwandeln sich die jährlich erschienenen Tagungsbände zu einer knappen Geschichte der EDV - mit all ihren Wegen und vielleicht auch Irrwegen.

Aber den weit über hundert Teilnehmern aus der gesamten Bundesrepublik wurde 1998 nicht nur Vergangenes geboten. Hilde-Josephine Post, bekannt durch die früher von ihr geleitete Redaktion der Computerbeilage der Süddeutschen Zeitung, entführte in die neuesten Entwicklungen in den USA und in Japan - virtuellen Welten zum Staunen und Gruseln.

Die schöne neue Welt der Rechner findet aber nicht nur in den 'Caves' statt - real existierenden 'Holodecks' gewissermaßen, wie man sie von einer berühmten Science-fiction-Serie kennt. Georg Köglmeier von der Universität Regensburg zeigte auf, wie Historiker das Internet konkret nutzen könnten - eine unverzichtbare Handreichung im Gestrüpp einer 'anarchischen' Netzwelt.

Tobias Berg aus Augsburg stellte den selbst entwickelten 'Nachrichtendienst für Historiker' vor, in dem auch der interessierte Laie per Mausklick täglich aktualisierte einschlägige Zeitungsartikel, Fernsehhinweise oder Verbindungsadressen für Historiker im Netz finden kann.

Helge Rieder von der Fachhochschule Trier präsentierte schließlich ein komplettes Freilandmuseum, das sich im Internet besuchen läßt - vielleicht eine Alternative für Regentage.

Wer Tips für die Gestaltung seiner eigenen 'Homepage' suchte, lag beim Vortrag von Susanne Herda, Süddeutsche Zeitung, richtig, die gute und schlechte Beispiele aus ihrer Praxis vorführte.

Was geschieht eigentlich mit älteren Daten, wenn die früheren Softwareprodukte nicht mehr auf dem Markt sind? Der Horrorvorstellung vom totalen Datenverlust setzte Karl-Ernst Lupprian, Generaldirektion der Archive Bayerns, eine vereinfachte Beschreibungssprache für alle Datenformen entgegen - Langzeitspeicherung neben der Flüchtigkeit des Internets.

Auf lange Dauer ist auch ein Projekt des Diözesanarchivs Passau angelegt, das Wolfgang Fronhöfer vorstellte. In Passau werden gerade alle Trauungs-, Tauf- und Beerdigungsmatrikel aus der Zeit bis 1900 in den Computer eingegeben: etwa 4,5 Millionen Datensätze. Das wird die Familienforscher ebenso freuen wie die Statistiker unter den Geschichtsforschern.

Während die Daten hoffentlich bleiben werden, ändern sich jedoch die Programme. Um einen gewissen Überblick zu gewinnen, hat eine Arbeitsgruppe der Museen spezielle Programme getestet und ihre Ergebnisse veröffentlicht. Vorgestellt wurde diese aufschlußreiche Studie von Manfred Hartmann, Westfälisches Museumsamt und Dr. Viktor Pröstler von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen.

Wie sehr die Zukunft schon in die Jahre gekommen ist, zeigte eine kleine Ausstellung des Münchner Computermuseums und privater Leihgeber. Die gerade einmal zwanzig oder fünfzehn Jahre alten Rechner wirkten fast wie aus einer anderen Welt. Staunend stand man vor einer nahezu schreibtischgroßen Festplatte - ein Ungetüm, dessen Speichermenge vor einem heutigen Durchschnittsrechner verblaßt. Gerade angesichts dieses raschen Wandels sind solche Tagungen, wie sie in Theuern sattfinden, für Orientierung und Kontakte ungemein wichtig. In Workshops wurden schließlich die zukunftsweisenden Möglichkeiten des Computer-Einsatzes demonstriert.

Allen, die zum Gelingen der EDV-Tage Theuern 1998 beigetragen haben, gilt unser herzlicher Dank.

 Zur Person

|

Dr. York Langenstein (Leiter)

Dr. Helmut Wolf (Museumsleiter bis Ende 2003)
Mitbegründer der EDV-Tage (zusammen mit Rudolf Misera)

Bilder:

Letzte Ergänzung der Webseite: 06.09.10

Dies ist die Textversion.
Sie benutzen CCBot/1.0 (+http://www.commoncrawl.org/bot.html)

Webmaster: RexPublica