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Helge Klaus Rieder: Videos für Internetpräsenzen (auch) kleiner Museen

 1. Um was geht es?

Ziel des Artikels ist es für Internet-Verantwortliche, insbesondere von kleinen und mittelgroßen Museen ein grundlegendes Verständnis für den Einsatz von Videos auf ihrer Internetpräsenz und damit eine Entscheidungsgrundlage für derartige Projekte zu vermitteln. Aus diesem Grund sind manche Teilaspekte sehr kompakt und nicht in der eigentlich notwendigen Komplexität dargestellt.

Gegenstand des Artikels ist die Erstellung von kontinuierlichen Medien (Video und Audio) und die Integration dieser in Internetpräsenzen und weitere Möglichkeiten diese Videos zu verwenden.

Gegenstand dieses Artikels ist NICHT:
Panoramabilder, die manchmal auch verwirrenderweise als Videos bezeichnet werden
Animationen (flash, java-applets etc), so sie nicht Videos integrieren.
Von Medienplayer abgespielte Diashows
Bildergalerien und vertonte Bildergalerien, wie sie beispielsweise von www.sport.ard.de in der dortigen Mediabox angeboten werden (s.Abbildung unten) einschließlich von Anwendungen der Synchronized Multimedia Integration Language (SMIL) s. http://de.wikipedia.org/wiki/SMIL.
Da HDTV mit einer größeren Auflösung als PAL (HDTV-Formate) über das Internet auch in mittlerer Zukunft nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugänglich sein, werden Besonderheiten dieser Technologie nur am Rande gestreift.

 2. Einsatzmöglichkeiten über das Internet

Videos auf den Internetseiten eines Museums – wozu soll denn das gut sein? Öffnungszeiten und Eintrittspreise legt man besser als Text ab und für das Bild der Mona Lisa brauch man ja auch nicht unbedingt ein Video. Wozu also Videos:

Inhalte und Darstellungsformen:

Welche Inhalte per Video vermittelt werden hängt natürlich stark von der Ausrichtung des Museum ab. Mögliche Einsatzgebiete sind:
  • Dokumentation von Ausstellungseröffnungen u.ä.
  • Technische Geräte, die nur ausnahmsweise betrieben werden können in Aktion (insb. bei für technischen Museen)
  • Videos von Vorführungen (z.B. in Freilichtmuseen)
  • Erklärung von Technologien
  • Videos mit dem Maler und von Bildrestaurierungen
  • Videos mit Hintergrundinformationen über Exponate
  • Videos in (aussterbenden) Mundarten und Sprachen
  • Historisches Audio- und Filmmaterial (soweit urheberrechtlich möglich), das man im Internet in Ruhe und im Gegensatz zum realen Museumsbesuch ohne Zeitdruck ansehen kann
Weiteren Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Auf einer früheren Internetseite des DB-Museums wurden beispielsweise in kurzen Videos deren Dampflokomotiven mit dem entsprechendem Sound in Aktion vorgestellt.

Bei der Darstellungsform ist zu bedenken, dass das Videofenster auf einem PC meist kleiner ist als auf einem Fernseher, und bei Streaming durch die starke Kompression und möglicherweise verloren gegangene Datenpakete Details verwischen. Dies bedingt noch mehr als beim traditionellen Fernsehen eine Beschränkung auf das Wesentlichste. Dies gilt natürlich nicht für spezielle Angebote für User mit VDSL-Zugang oder geduldige Unser, die auf einen langen Download warten. (Siehe diverse Beispiele z.B. bei www.microsoft.com).

Empfang der Videos zuhause und im Büro:

Hierfür ist mindestens ein DSL 1000 Zugang (mit ISDN gibt’s leider nur Mäusekino). Durch die Verbesserung der Komprimierungsalgorithmen und den Ausbau des DSL-Netzes insgesamt sind derartige Videos in einer PAL vergleichbaren Auflösung durchaus ansehbar – mit DSL 2000 oder einer entsprechenden Standleitung erreichen sie - nicht nur in der Telekomwerbung - nahezu DVD-Qualität. Für Fernsehen in HDTV-Quaität ist ein derzeit nur in einigen Ballungsräumen vorhandener VDSL-Zugang notwendig. Ob dies für viele Museumsanwendungen notwendig ist, sei dahingestellt…

Videos für das mobile Internet:

Auch ein Multimediahandy und ein Organizer eignet sich, um dort über das Internet Videos auszugeben. Videos sind hier oft das geeignetere Transfermedium – viel besser als auf einem kleinen Bildschirme noch kleinere Schrift zu lesen. Zwar ist UMTS etwas langsamer als DSL, aber für die Auflösung von kleinen Bildschirmen von Organizern und Handys durchaus ausreichend. Diese Technologie eignet sich u.a. dazu Touristen, die bereits unterwegs sind, das Museum vorzustellen und gleichzeitig über Anfahrt und Öffnungszeiten informieren.

Eine weitere Anwendung sind Internetvideos während des Museumsbesuchs. Man kann Videos, die Hintergrundinformationen zu Exponaten liefern, für mobile Geräte (im Besitz des Benutzers) anbieten, die dann vor dem jeweiligen Exponat angesehen werden können und dieses erklären. Das macht wesentlich weniger organisatorischen Aufwand als beispielsweise das derzeit oft praktizierte Verleihen von Audioguides.

 3. Weitere Einsatzmöglichkeiten

Hat man Videos produziert, so kann man diese natürlich nicht nur für das Internet verwenden. Gibt es in der Region bzw. im jeweiligen Bundesland einen Offenen Kanal (s. http://www.bok.de/) kann es ggf. auch über diesen gesendet werden. Möglicherweise interessieren sich auch private regionale Sender und Internet-Nachrichtendienste dafür. Weitere Abnehmer wären Tourist-Informationen, Schulen, etc

 4. Produktion von Videos

Je nach der Finanzlage und der technischen Ausstattung des Museums bieten sich folgende Möglichkeiten an
  • Video-Produktionsfirma (1000 € pro Tag aufwärts)
  • Selbst machen - benötigt als Ausrüstung einenCamcorder (300 – 3500 €) und ein Schnittprogramm (100 – 1000 €) sowie Mitarbeiter mit entsprechender Ausbildung
  • Kooperationsprojekt mit Schulen und Hochschulen
  • Kooperation mit Fernsehsendern und lokalen Medien
Weiterhin sind diverse rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten (Verwertungsrechte der dargestellten Objekte, Verwertungsrechte der Aufnahmen, Recht am eigenen Bild abgebildeter Personen, etc.)

 5. Datenformate

Es gibt es eine sehr große und unübersichtliche Anzahl von Video-Datenformaten – von denen allerdings nur einige relevant sind. Bei Videodaten definiert das Datenformat (anders als bei Datenformaten für Standbilder) nur den so genannten Container, verkürzt gesagt die Methode wie Bild- und Tondaten koordinert werden. Beispielsweise können in MPEG4-Dateien multimediale Inhalte in Form von mehreren Audio- und Videospuren sowie Untertitel, 2D- und 3D-Grafiken und Bilder abgespeichert werden. (s. http://de.wikipedia.org/wiki/MP4). Die Komprimierung der eigentlichen Bild- und Tondaten übernehmen die so genannten Codecs. Als Codec (Wortkreuzung aus den englischen Begriffen coder und decoder) bezeichnet man ein Verfahren bzw. Programm, das Daten oder Signale digital codiert und decodiert. Näheres siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Codec#Mpeg_Videocodecs.
Weiterhin werden für unterschiedliche Arbeitsschritte (Aufzeichnung, Bearbeitung, Streaming) unterscheidliche Datenformate verwendet.

Für praktische Arbeiten sind (verschiedene) Datenformate für die Aufzeichnung, die Weiterverarbeitung, die Archivierung und die Wiedergabe im Internet:

Aufzeichnung

Bei digitalen Formaten für PAL und NTSC dominiert das 1996 eingeführte Datenformat Digital Video (DV). Im Consumer- und semiprofessionellen Bereich werden die Daten auf MiniDV-Kasetten (professionelle Geräte verwenden Kasetten mit höherer Datenrate). Die Bilder werden einzeln codiert. Das Verfahren hat im Gegesatz zu MPEG den Vorteil, die Videos ohne Qualitätsverlust an jeder beliebigen Stelle schneiden zu können. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Video
Der Nachfolger von DV für HDTV ist HDV. Dieses Format komprimiert – wie MPEG – aber nicht mehr bildweise. Als Datenträger werden die MiniDV-Kasetten verwendet – manche Hersteller bieten hier eine Premium-Qualität.

Als Alternative bieten manche Geräte vor allem im Consumerbereich eine Aufzeichung direkt auf DVD. Dabei ist zu beachten, welche DVD-Typen genau unterstützt werden und wie lange die Aufzeichnungszeit bei welcher Qualität ist. Andere Geräte bieten bis zu 60 GB Platz auf einer integrierten Festplatte.

Bearbeitung:

Üblicherweise wird die MiniDV-Kasette von der Kamera oder einem speziellen Lesegerät mittels Schnittsoftware eingelesen (oder alternativ von der DVD). Hierbei hat man eine Auswahl an Formaten. Üblicherweise wählt man hier das AVI-Format mit einem DV-Codec. Wer nicht genug Platz auf der Festplatte hat kann unter möglichen Qualitätsverlusten auch das MPEG-2 Format (etwa um Faktor 10 kleinere Datei) wählen.

Archivierung:

Da AVI-Dateien sehr groß sind, empfiehlt sich eine Archivierung im stärker komprimierten MPEG-2 Format (etwa 10% der Größe des avi-Files).

Ausgabe:

Da auch MPEG-2 Dateien für derzeit in der Fläche verfügbare Netze noch zu groß, gibt es spezielle hochkomprimierte Formate, die sich jedoch nur als Ausgabeformate eignen. Diese Formate erlauben ein sogenanntes Streaming, d.h. die Datei kann wiedergeben werden, sobald der Anfang heruntergeladen ist, der Rest wird dann während der Wiedergabe nachgeladen. Der User muss also nicht warten, bis die ganze Datei heruntergeladen ist - was bei Videos oft so lange dauert wie das Video selbst.

Hierzu sind 4 Datenformate verbreitet:

Real-Media Files (Dateiendungen .rm .rv .ra) sind der Pionier und immer noch stark verbreitet (z.B. bei ARD und ZDF) – benötigt den kostenlosen Real-Player http://germany.real.com/. Das Format ist proprietär. Zur Erzeugung der Files gibt es einen in der Grundversion kostenlosen Producer von der gleichen Website. Auch manche Videoschnittpogamme können diesen Dateityp (oft mit Einschränkungen) erzeugen. Real-Dateien werden von anderen Media-Playern nicht angezeigt.
MS-Media. Dateiendungen .asf (das ist eigentlich der Container) oder .wmv oder .wma sind die Microsoft-Produkte. Die für diese Files notwendigen Medienplayer sind bei jedem PC mit Micorsoft Betriebssystem mit dabei. Obwohl eigentlich patentgeschützt können diverse Freie Mediaplayer wie NPlayer, VLC media player und Xine Daten in diesem Format wiedergeben. WMVHD ist der HD-fähige Nachfolger.
Quicktime (Dateiendung meist .mov) ist eine komplexe Multimediaarchitektur mit Player, Broadcaster und Streamingserver. Entsprechende Dateien könenn von vielen Schnittprogrammern erzeugt werden. Der Player ist kostenlos, aber im deutschsprachigen Raum weniger verbreitet als die beiden vorherigen. Siehe http://www.apple.com/de/quicktime/ und http://de.wikipedia.org/wiki/Quicktime. Auf Quicktime fußt auch das
MPEG-4 Format (mit dem Container MP4), das gute Chancen haben dürfte, die anderen Formate als Standard zu verdrängen, mit den derzeit am weitesten verbreiteten Playern nicht oder nur eingeschränkt wiedergegeben weden kann.
3rd Generation Partnership Project 3GPP – Datenformat .3gp – ist ein mit mp4 verwandter Standard für die Wiedergabe von Multimedia über drahtlose Netze. Insbesondere lässt sich damit die Anzahl der Wiedergaben auf der Zielplattform einschränken.

 6. Hosting

Das Video ist nun erzeugt und nun soll es ins Internet.

Hosting mit „normalem“ Webserver (Apache, MSIE, …) :

Das Problem ist hier, dass Videos von diesen nicht gestreamt werden und dass der Benutzer warten muss, bis das Video vollständig heruntergeladen ist.

Kommerzielles Hosting mit streamingfähigem Server:

Einige Unternehmen (aber von allen Web-Hostern nur ein kleiner Teil) bieten auch das Hosting von Videos auf Streaming-Servern an. Beispielsweise sei das Angebot der Firma StreamingKit (Stand 14. August 2006). Dabei fällt auf, dass die hier geforderten Preise die Möglichkeiten der meiste Museen übersteigen dürften, da sich praktisch alle Anbieter in dieser Preisregion bewegen. Auf den Meisten Webseiten reloevanter Anbieter werden überhaupt keine Preise genannt.

Kostenloses Hosting mit bei YouTube und video.google:

Mehrere UnternehmenDiese Plattformen bieten unter gewissen Bedingungen (nicht-kommerziell, an Videos kostenlos zu hosten. Der Nachteil ist, dass die Videos nur in vorgegebener Auflösung, vorgegebener Qualität und in einem vorgegebenen Browserfenster gezeigt werden. Ein weiteres Problem sind die rechtlichen Rahmenbedingen. Beispiele für derarige Server sind hierfür sind http://www.youtube.com/ (Bild, das Video läuft in der Ecke rechts unten ..) und http://video.google.com/

Hosting auf eigenem Rechner:

Wer seine Internetpräsenz auf eigenem Rechner (per Standleitung oder in einer Serverfarm) hostet, kann auf diesem auch einen Streaming-Server betreiben. Es gibt eine Auswahl an kommerziellen und neuerdings auch kostenlosenProdukten - siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Streaming_Server

Hosting bei Hochschulen, Öffentliche Verwaltung:

Eine weitere Möglichkeit wäre zu erforschen, ob es nicht bei Hochschulen, Behörden oder ähnlichen Institutionen einen Streamingserver gibt, der mitbenutzt werden kann. Oft sind die Abrufzahlen von Museumsvideos in Größenordnungen, die nicht gerade übermäßig ins Gewicht fallen.

 7. Einbettung in das Internetangebot des Museums

Prinzipiell kann man von einer anderen Internetseite einfach einen Link auf das Video setzen. Der Link erscheint genau so wie ein Link auf eine Webseite:

Wenn dann der Benutzer auf einen Link klickt, wird der jeweils passende Media-Player (im obigen Beispiel der MS-Media-Player) gestartet und spielt das Video ab.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Video in eine Internetseite einzubetten. Ein Beispiel hierzu ist die MediaBox der Tagesschau.

Vermeiden sollte man, dass Videos ohne Bedienfeld angezeigt werden. Damit wird dem Benutzer die Möglichkeit genommen z.B. einen für ihn interessanten Abschnitt noch einmal zu betrachten.

 8. Videosuchmaschinen

Während der Marktführer Google nur die im eigenen Videoprojekt gespeicherten Videos findet, kann man mit 'http://www.singingfish.com und diversen Yahoo-Suchmaschinen wie z.B. http://www.alltheweb.com direkt nach Videos suchen. Umgekehrt sollten eingene Videos von diesen Suchmaschinen möglichst erkannt werden.

 9. Eigene Projekte im Museumsbereich

  • Für das Freilichtmuseum Roscheider Hof:
    • Dokumentation diverser Eröffnungen von Ausstellungen und Häusern sowie Richtfesten
    • Über 40 Videos mit 12 verschiedenen Mundartautoren (viele davon über 80 Jahre alt)
    • Videos von Museumsfesten
  • Für das Besucherbergwerk Fell:
    • Videos über das Bergwerk, den Stollenpfad, (teilweise noch aktive) Nachbarbergwerke
    • Dokumentation mit ehemaligen Bergmännern (geplant)

 Zur Person

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Prof. Dr. Helge Klaus Rieder (Fachbereich Wirtschaft)

Bilder:

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