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Mit seinen umfangreichen Angeboten ist das Ägyptische Museum München im Verhältnis zu seiner Größe eines der aktivsten Münchner Museen. Im Sommer 2000 beschloss die Direktorin Frau Dr. Schoske, diesen Service um den Bereich Internet zu erweitern. Im Folgenden sollen in fünf Schritten - Konzeption, Benutzerführung, Gestaltung, Technik und Text - wesentliche Gedanken bei der Entstehung der Internet-Präsenz vorgestellt werden.

Patricia RexHolger Schulten: Die neue Webseite des Ägyptischen Museums München

 1. Die Konzeption

Zu Beginn eines Internet-Projektes stehen die Fragen: Wozu braucht man diese WebSeite? Wen möchte man damit ansprechen? Und: Wie wirken sich Zweck und Zielgruppe auf die Inhalte aus?

Zweck: Informationsangebot, Unabhängigkeit von den Medien und Werbung

Das Internet ist ein wichtiges Medium der Öffentlichkeitsarbeit geworden. Mittlerweile suchen viele Menschen als erstes dort nach Informationen.

Einen verhältnismäßig aktuellen Überblick über die Aktivitäten des Münchner Museums gab es bislang nur für Mitglieder des Freundeskreises: durch die Zeitschrift 'aMun' und einen alle zwei bis drei Monate erscheinenden Rundbrief. Über das Internet ist nun jedem und jederzeit das vollständige Angebot zugänglich, manchmal sogar tagesaktuell.

Diese Aktualität war bislang nur über Medien wie Zeitung oder Rundfunk möglich. Dabei läßt sich nicht beeinflussen, ob, wann und wie eine Information erscheint. In den Jahren 2000/2001 mußte das Museum sogar unangenehme Erfahrungen mit Falschdarstellungen in der Presse machen: Bemühungen um die Restaurierung von Sargfragmenten und ihre geplante Rückführung nach Kairo wurden von einigen Zeitschriften mit illegalen Machenschaften wie Kunstraub und Hehlerei gleichgesetzt und zum Skandal hochstilisiert. Ein weiterer wesentlicher Vorteil einer WebSeite besteht also in ihrer Unabhängigkeit von den Medien.

Neben rein informativen Aspekten will Öffentlichkeitsarbeit vor allem werben, vorhandene Interessentenkreise aktivieren und an das eigene Haus binden sowie neue erschließen. Mit einer Internet-Seite erreicht man Menschen außerhalb der plakatierten Bereiche, deutschlandweit und international. In den ersten vier Monaten zählte die WebSeite des Ägyptischen Museums München 14.000 Besucher aus 27 verschiedenen Ländern.

Zielgruppe

Die Frage nach der Zielgruppe steht am Anfang der Überlegungen. Sie entscheidet, wie Inhalte aufgearbeitet und präsentiert werden. Desto konkreter man die Zielgruppe bei Konzeption und Gestaltung berücksichtigt, desto eher fühlt diese sich angesprochen. Herrscht an diesem Punkt Unklarheit, kann es passieren, dass sich mit dem Ergebnis niemand richtig angesprochen fühlt.

Mit Werbung und Informationsangebot wendet sich das Ägyptische Museum vorwiegend an das breite Publikum der interessierten Laien. Das schließt vertiefende Fachinformationen nicht aus, setzt aber klare Prioritäten. Diese Definition der Zielgruppe mag selbstverständlich klingen. Nicht selten jedoch haben z.B. Auftraggeber beim Schreiben der Texte oder bei der Strukturierung der Inhalte eher den Fachkollegen vor Augen als Ihren 'Hauptkunden', den interessierten Laien.

Struktur

Mit der Sammlung der Inhalte entsteht eine immer länger werdende Liste gewünschter Inhalte: Beim Ägyptischen Museum wurden es gut vierzig Punkte, die untergebracht werden sollten: Grundlegendes zu Museum und Zweigmuseen, Detaillierteres zu Sammlungshistorie und -schwerpunkten, aktuelle Informationen über Ausstellung, Sonderausstellungen, museumspädagogische Programme, Veranstaltungen und Führungen, Informationen über Freundeskreis, Service-Angebote und Publikationen, Museumsshop sowie diverse Hintergrundinformationen.

Ein Wahrnehmungsgesetz begrenzt die spontan erfaßbare Anzahl unterschiedlicher Elemente auf sieben. Mehr Elemente verlangsamen den Vorgang der Orientierung. Das zu berücksichtigen kann bei der Strukturierung einer klaren Benutzerführung hilfreich sein. Bei vierzig verschiedenartigen Punkten ist zweifellos eine Untergliederung notwendig.

Die Zusammenfassung sachverwandter Themen ergab elf Hauptkapitel. Zusätzlich wurde eine Dreiteilung in die Bereiche 'Raum', 'Zeit' und 'Mensch' vorgenommen. Manche Themen könnten unter mehr als einem Bereich eingeordnet werden, 'Aktuelles Angebot' beispielsweise enthält eine Zeitkomponente, ist aber im Bereich 'Raum' zu finden, weil hier der Schwerpunkt gesetzt wurde. Es handelt sich einfach um verschiedene Herangehensweisen an die Themen der WebSeite:
  • unter räumlichen (Ausstellungsorte geografisch, Räumlichkeiten der Museen),
  • zeitlichen (von Themen des Altertums bis hin zu brandaktuellen Hintergrundinformationen)
  • und menschlichen Gesichtspunkten (Benutzergruppen und ihre spezifischen Bedürfnisse),
auf die in späteren Ausbaustufen der WebSeite noch intensiver eingegangen werden soll.

 2. Die Benutzerführung

Der Begriff 'Benutzerführung' faßt die verschiedenen Mittel zusammen, mit denen man den Besucher einer WebSeite gewissermaßen bei der Hand nimmt und ihm zeigt, wo er sich gerade befindet, wohin er gehen könnte und wie er dorthin gelangt.

Homepage

Die Homepage gibt einen ersten Überblick über die Struktur der WebSeite und erfüllt damit die Funktion einer sog. Sitemap, welche die wesentlichen Kapitel und ihre Verknüpfungen untereinander zeigt. Der Besucher wird aufgefordert, mit der Maus über die einzelnen Punkte zu fahren, um so detailliertere Inhaltsbeschreibungen zu erhalten.

Navigationsleiste

Am unteren Rand aller Seiten mit Ausnahme der Homepage befinden sich auf einer Navigationsleiste alle elf Kapitel - auch hier mit der Einteilung in éRaum´, éZeit´ und éMensch´ in Form dreier waagerechter Balken. Der Bereich, in dem man sich gerade aufhält, steht in der Mitte. Das aktuelle Kapitel ist hell hervorgehoben ('Highlight'). Beim Wechsel in einen der zwei anderen Bereiche bewegt sich der Balken des ausgewählten Bereiches nach vorne in die Mitte, der bisherige gleitet zur Seite.

Tickerleiste

Ein wichtiger Grund dafür, eine Webseite wiederholt zu besuchen, ist, dass es dort immer wieder Neues zu sehen gibt. Genauso aber, wie eine Internet-Seite ein gut gehütetes Geheimnis bleiben kann, wenn man sie nicht bekannt macht, können auch neue Inhalte dem Besucher verborgen bleiben. Ein Ticker informiert daher über Neuigkeiten auf der WebSeite. Die News lassen sich anklicken, sind damit gleizeitig Information und Navigation und ergänzen die Homepage mit aktuellen Themen.
Ticker ziehen durch ihre Bewegung Aufmerksamkeit auf sich. Es lassen sich viele Informationen auf wenig Raum unterbringen und leicht aktualisieren. Ein Ticker zeigt auch, dass die Institution lebt, offen ist und sich darum bemüht, das Publikum auf dem Laufenden zu halten.
Das ist allerdings nicht ganz mühelos. Zwar geschieht an einem Museum viel Erzählenswertes, aber selten denkt jemand daran, dass dies, entsprechend aufbereitet, auch für das Publikum interessant sein kann. Meistens funktioniert die dauerhafte Aktualität einer WebSeite nur über einen speziellen Beauftragten oder aber über besonderes Engagement einzelner Mitarbeiter.
Aktuelle Hintergrundberichte jedoch, Specials oder Ankündigungen sind Werbung, die den Besucher neugierig machen und in das 'Innere' der WebSeite - und vielleicht auch des Museums - ziehen.

Index

Ergänzend gibt es ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis der Objekte sowie ein Verzeichnis der Kapitel.

 3. Die Gestaltung

Die altägyptische Bilderwelt bietet dem Gestalter eine riesige Materialfülle. Wer an das Alte Ägypten denkt, hat monumentale Objekte wie Pyramiden und Kolossalstatuen vor Augen, oder aber Mystisches wie Gräber und Mumien.

Formen und Farben

Das Ägyptische Museum München jedoch beeindruckt weniger mit Monumentalem als mit der Kunstfertigkeit und Zartheit seiner Objekte, u.A. des dort ausgestellten Schmuckes. Dessen Ornamentik ließ sich gut auf die Gestaltung der Webseite übertragen - in einer typisch altägyptischen Farbkombination: Türkis und Gold.

Symbole

Hieroglyphen, die Schriftzeichen der altägyptischen Schrift, haben eine starke Ausstrahlung, sie wirken bedeutungsvoll. Ihre wirkliche Bedeutung aber erschließt sich nur aus der Kenntnis des damaligen Weltbildes. Sinngemäß fanden Schriftzeichen daher nur für die drei Hauptbereiche Verwendung:
  • für den Bereich éMensch´ die Hieroglyphe für 'Jubeln': ein Mann, der sich auf die Brust trommelt,
  • für éRaum´ ein Zeichen für Tempel / Kapelle und
  • für éZeit´ die Schlange als Symbol der Unendlichkeit.

Ausschnitt aus der Hauptnavigation der Startseite

 4. Die Technik

Flash-Technologie

Hier soll kurz auf den Einsatz der Flash-Technologie auf der WebSeite des Ägyptischen Museums München eingegangen werden (Eine umfassende Einführung in das Thema 'Flash' bietet der Vortrag von Rudolf Misera / EDV-Tage 2000).
Inhalt der Homepage, Ticker, Navigationsleiste und die Landkarte unter 'Aktuelles Angebot' sind Flash-Filme. Flash ermöglicht Interaktionen und Animationen, die mit den Mitteln von HTML, javascript, java applets und animated gifs so nicht oder in der Kombination von Gestaltung und Programmierung nur mit großem Aufwand zu realisieren wären.
Animationen mit Transparenzen wie beispielsweise die Bewegung der drei Symbole auf der Homepage oder die Bewegung der Balken in der Navigationsleiste wären anders gar nicht möglich.
Das sind Effekte, die sich nicht in den Vordergrund spielen, die aber die Aufmerksamkeit des Besuchers und die Wertigkeit der Webseite sowie den 'Spaßfaktor' erhöhen.

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Kontrollierbarkeit der Ladevorgänge. Ein häufiger Vorwurf sind die langen Ladezeiten von Flash-Filmen, während derer die Geduld des Besuchers mit einem einfallslosen 'Loading...' auf die Probe gestellt wird. Die Ursache hierfür liegt nicht in der Technologie, sondern in der Unkenntnis derer, die sie einsetzen.
Ein Film basiert auf einer Zeitleiste. Durch die Anordnung der einzelnen Objekte auf dieser Zeitleiste läßt sich die genaue Reihenfolge steuern, in der diese geladen werden. Professionell gemachte Flash-Filme sind vom Datenumfang meistens kleiner als vergleichbare andere Lösungen. 'Kleine' Objekte, die schnell geladen sind, sollten an den Anfang gestellt werden.
Ladezeiten sind unangenehm, wenn sie den Besucher zum Warten zwingen. Wenn er aber Wesentliches sehen und tun kann, nimmt er weitere Ladevorgänge im Hintergrund kaum wahr.

In diesem Sinne stellt der Ticker auf der Homepage des Ägyptischen Museums gewissermaßen die Spitze eines Eisberges dar. Der Besucher muss nicht lange warten, bis er über Neuigkeiten informiert wird. Währenddessen lädt, unmerklich, die Navigationsleiste. Wählt der Besucher nun ein Kapitel aus, springt der Flash-Film an eine andere Stelle und die Navigationsleiste ist sofort da. Für den gleichen Zweck muss in der Version für Besucher, die das Flash-Plugin nicht installiert haben, ständig zwischen vier verschiedenen HTML-Dateien gewechselt werden, was sichtbare Ladezeiten erzeugt.

Es entstand für das Ägyptische Museum noch eine aufwendigere flash-freie Version. Tendenz ist jedoch, nur noch einfachste Alternativ-Versionen zu erstellen. Im Juni 2001 hatten 97,3% aller Internetbesucher aus Europa das Flash-Plugin installiert, davon 94,7% die Version 4, die hier verwendet wurde. Etwa 5 Prozent aller Internet-Besucher bekommen also die Alternativ-Version zu sehen, verbunden mit einem Hinweis, dass sie noch kein oder ein bestimmtes älteres PlugIn haben und wie sie das aktuelle installieren können. Das PlugIn ist kostenlos, auch für Unerfahrenere leicht zu installieren und in den neueren Browsern zumeist schon enthalten.

 5. Der Text

Für ein bloßes Informationsangebot im Internet mag es genügen, schlicht Daten und Fakten anzubieten

Werbung

Wer jedoch sich und seine Angebote bekannter machen, Mitglieder gewinnen oder das Interesse für sein Fachgebiet erhöhen möchte, sollte mehr tun, als nur pure Information anzubieten. 'Werben' bedeutet 'sich um jemanden bemühen'. Es bedeutet, sich Gedanken darüber zu machen, womit man Interesse wecken und wie man etwas attraktiver gestalten kann.

Während kommerzielle Anbieter sich immer wieder neue Dinge einfallen lassen, um sich zu verbessern und Aufmerksamkeit zu erregen, vertritt man an Kulturinstitutionen nicht selten die Ansicht, dass in erster Linie der 'Kunde' die Leistung zu erbringen habe. Die Werte, die man anzubieten hat, stehen außer Zweifel, die Vorstellung, sie neu und interessanter 'verpacken' zu müssen, ist fast blasphemisch. Dies liegt wohl auch daran, dass man sich sicherer auf dem Niveau von Forschung und Wissenschaft bewegt als in den Sphären von Werbung und Allgemeinverständlichkeit. Daher kann es für eine Internet-Präsenz vorteilhaft sein, einen 'Mittler' einzusetzen - jemanden, der das technische und werbliche KnowHow mitbringt, aber auch Feingefühl für die spezielle Thematik.

Appetithäppchen

Das Bemühen um den Besucher erstreckt sich über alle Bereiche einer Produktion. Diese Gedanken zur Werbung aber stehen bewußt im Bereich 'Text'. Dieser Bereich ist meistens problematisch. Hier fällt es erfahrungsgemäß am Schwersten, über den eigenen Schatten zu springen und Dinge in einem anderen Licht darzustellen, so dass man doch lieber zum 'Altbewährten' greift und ohne Berücksichtigung des völlig anderen Nutzer- und Leseverhaltens im Internet den Text eines Faltblattes oder eines Kataloges ins Netz stellt.

Vergleicht man das Interesse eines Internet-Besuchers, der - aus welchen Gründen auch immer - auf eine WebSeite gekommen ist, mit einem Funken, den man zu einem Feuer - also zu größerem Interesse - entfachen möchte: Man würde das zunächst mit kleineren Mengen leicht brennbaren Materials tun und die Glut schüren, bis sie stark genug für größere Brocken ist.

Auch und besonders textlich sollte man erst einmal 'Appetithäppchen' anbieten, bevor man zu schwerer Kost übergeht und die ganze Fülle seiner Kompetenz auffährt. Solche 'Appetithäppchen' können unterhaltsame Beschreibungen sein, die in wenigen Sätzen die Bedeutung des Objektes umreißen. Es können Fragen oder Anekdoten sein. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Die Direktorin des Ägyptischen Museums, Frau Dr. Schoske, stellt in ihren Texten die ehrwürdigen Objekte ihrer Sammlung auch in ein ungewohntes und humorvolles Licht. Mit der doppeldeutigen Überschrift 'Machtfülle' zur Statue eines wohlbeleibten Beamten oder der 'Frauenpower' einer Königin, deren Macht sich darin ausdrückte, dass sie in einem größeren Sarg bestattet wurde als ihr Gatte, erwecken die Texte die Stein gewordene Vergangenheit wieder zu Leben.
Das tut dem inhaltlichen Niveau keinen Abbruch, macht aber das Lesen zum Vergnügen, macht Lust auf Mehr - und ist damit eine angenehme Synthese aus Information, Unterhaltung und Werbung.

 Zur Person

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Dr. Holger Schulten
| RexPublica, Starnberg
Kunsthistoriker
Weitere Tagungsbeiträge:

Bilder:

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