Über die Zukunft der Datenverarbeitung kann man grundsätzlich nur spekulieren: Schon aus Wettbewerbsgründen sind die entsprechenden Firmen mit Informationen sehr sparsam. Der Beitrag stellt zusammen, was derzeit bekannt oder angedacht ist und zeigt auch auf, welche Folgen dies für den Museums und Archivbereich haben kann.
Rudolf Misera: Quo vadis IT? Perspektiven der Informationstechnologie
Wer von uns möchte nicht gerne einen Blick in die Zukunft werfen, sein persönliches Schicksal, aber auch den Lauf der Welt insgesamt vorhersehen können. Generationen von Wahrsagern und Astrologen haben sich daran versucht mit Hilfe aller möglichen Theorien die Zeitachse vom Heute ein wenig auf das Morgen oder gar Übermorgen zu verschieben. Und ganze Heerscharen von Wirtschaftsanalytikern tun dies Tag für Tag, um den richtigen Zeitpunkt für eine 'rechtzeitige', d.h. wirtschaftlichen Erfolg garantierende Platzierung neuer Produkte zu finden. Dabei nimmt man einerseits in Kauf, dass manches noch gar nicht so weit entwickelt ist, dass es einsatzreif wäre - wenn man nur vor der bösen Konkurrenz damit auf dem Markt ist - und man lässt andererseits vieles 'in der Schublade', wenn dies tunlich erscheint. Das gilt grundsätzlich für alle Bereiche der Technologie. Angesichts der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit im Bereich der Computer-Hard- und Software und deren großen wirtschaftlichen Bedeutung gewinnen dort die 'richtigen Vorhersagen' besonderes Gewicht.
Grundsätzlich ist man als Anwender dieser Technologie weitgehend den Herstellern ausgeliefert. Man erhält weder einen Blick in die Entwicklungslabors noch in die Strategiepapiere des Managements und kann sich nur an den - von den Herstellern gesteuerten - Meldungen in der Fachpresse orientieren. Fehlentscheidungen und Fehlinvestitionen sind da natürlich kaum zu vermeiden. Dieser Beitrag kann also nur einige der absehbaren Entwicklungen auf dem Gebiet der Computer-Technologie und -Anwendung aufzeigen und ggf. - subjektiv - gewichten. Mehr würde übersinnliche Fähigkeiten erfordern - und die fehlen leider.
1. Technische Entwicklungen
Das Ziel der technischen Entwicklung im Computer-Bereich lautet ganz allgemein: immer schneller, immer kleiner. Mit anderen Worten: die Processoren sollen immer mehr und immer leistungsfähigere Bauelemente auf immer weniger Platz - und mit weniger Enegieverbrauch - vereinen können. Durch eine Verkürzung der Reaktionszeiten, aber auch der Verbindungswege können Operationen in immer kürzerer Zeit ausgeführt werden. Taktraten von 1000 MHZ sind derzeit bereits 'normal'.
Da bei der Verwendung von Silizium, dem gängigen Material zur Herstellung von Processorchips, mit heutiger Technolgie Grenzen hinsichtlich der Miniaturisierung gesetzt sind - ein Processor enthält derzeit auf wenigen Quadratzentimetern über 28 Millionen Silizium-Transistoren, die mit 180 Nanometern rund 500-mal dünner als ein menschliches Haar sind - wird nun versucht Schaltkreise auf Molekülbasis (ein Molekül = 1 binärer Schalter) zu entwickeln. Biomolekulare Informationsverarbeitung-Systeme ('Soft-Computer') sollen mit DNS-Molekülen arbeiten (www.gmd.de, www.zyvex.com).
Die Folge dieser weiteren Verkleinerung von Bauelementen sind Computer mit immer höherer Leistungsfähigkeit in immer geringeren räumlichen Dimensionen: Handheld-Computer, Palmtops und ähnliche mobile Geräte erreichen die Verarbeitungsgeschwindigkeit stationärer Rechner, wobei ein Teil dieser Kapazitäten auch dazu verwendet werden kann, auf die Tastatur - deren Ausmaße halt noch von den anatomischen Gegebenheiten der Nutzer bestimmt werden - als Eingabemedium zu verzichten. Spracheingabe z.B. benötigt wesentlich höhere Rechner- und Speicherleistung.
Neben der Verarbeitungsgeschwindigkeit des Processors stellen die externen Speichermedien ein wichtiges Leistungskriterium dar. Obwohl immer wieder behauptet wird, dass die physikalischen Grenzen der magnetischen Datenträger bald erreicht sein werden, stehen heute bereits Magnetplattenlaufwerke für normale PCs mit 18 bis über 70 Gigabyte serienmäßig zur Verfügung, wobei sich die Preise in Bereichen unter 1000 DM, die Megabyte-Preise zwischen 4,3 und 7,1 Pfennige bewegen. Wenn man bedenkt, dass sich diese Werte noch vor wenigen Jahren im Hundert-Mark-Bereich bewegt haben, zeigt sich eine weitere Konsequenz des technischen Fortschritts: Bei steigender Leistung werden die Geräte und Medien immer billiger.
In den Labors schon fast fertig sind die Nachfolger der magnetischen Datenträger. Mit Hilfe von Laserlicht werden die Daten in Kristallen als dreidimensionale Hologramme abgelegt. Superschnelle Zugriffszeiten und riesige Datenmengen auf geringem Raum sind die Ziele. Als Folge dieser Entwicklung können immer größere Datenmengen im schnellen, direkten Zugriff gehalten werden, wie dies z.B. für die Bildspeicherung erforderlich ist.
Die Speicherung, Bearbeitung und Darstellung von Bildmaterial, vom 'einfachen' Foto über dreidimensionale Raumsimulationen bis zum Videofilm, bestimmen in zunehmenden Maße auch andere Computer-Komponenten, insbesondere den Bildschirm. Flache TFT- oder LCD-Bildschirme in allen Größen und Auflösungen sind schon heute fast selbstverständlich und werden in Kürze die Röhrenbildschirme ganz verdrängen. Eine sprunghafte Entwicklung machen aber zur Zeit die zur Bildschirmsteuerung notwendigen Grafikkarten durch: Auch sie profitieren von der weiteren Miniaturisierung und Leistungssteigerung der elektronischen Bauelemente und sind mittlerweile eigene Computer im Computer. Nur so können die gigantischen Datenmengen, die bei dreidimensionalen Bilddarstellungen oder bei der Wiedergabe 'laufender' Bilder anfallen in der gewünschten minimalen Zeitspanne ('Echtzeit') bewegt werden.
Eng mit dem Hardwarebereich verbunden sind die Betriebs- oder Organisationsprogramme. Hier zeichnen sich zwei wesentliche Trends ab. Zum einen werden diese mittlerweile zunehmend 'bedienerfreundlich', ihre Installation und Anpassung an die jeweilige Arbeitsumgebung erfordert nicht mehr ein mehrjähriges Studium, Fehlfunktionen führen nicht mehr zu unvorhersehbaren Systemabstürzen oder sybillinischen Fehlermeldungen. Diese Leistungssteigerung' geht aber zumindest bei den Microsoft-Betriebssystemen für PCs und Netzwerke, die weltweit an der Spitze der eingesetzten Programme liegen, zu Lasten der Hardware-Ressourcen: Ein großer Teil der dort bei den Datenspeichern und den Processoren erzielten Leistungssteigerungen wird von den neuen Betriebssystemen für die Systemverwaltung benötigt und 'abgezweigt' oder 'aufgefressen'. Ob hier das alternative Betriebssystem LINUX längerfristig gesehen einen besseren Weg geht bzw. sich überhaupt unter marktwirtschaftlichen Gesichtpunkten durchsetzen kann, steht wirklich 'in den Sternen'. Die Tatsache, dass sich auch die Firma IBM mittlerweile dieses Systems annimmt, lässt nach den Erfahrungen mit OS eigentlich nichts Gutes erwarten.
Der andere Trend ist die Verteilung von Rechner-Kapazitäten: Wie schon in den lokalen Netzwerken (LAN) wird die Rechnerarbeit auf die einzelnen, miteinander verbundenen und kommunizierenden 'Bausteine' verteilt. Durch die weltweite Vernetzung von Computern im Rahmen des Internets lässt sich dies räumlich beliebig ausdehnen. So muss der Computer am Arbeitsplatz oder in der Hand des Anwenders keineswegs auch die zur Verarbeitung notwendigen Datenbestände und die Programmbibliotheken selbst vorrätig halten. Diese können auf irgendeinem, weit davon entfernten Gerät abgelegt sein. Nur eine Leitungsverbindung dorthin muss bestehen. Aber auch der Rechner selbst wird nicht mehr 'allein gelassen'. Benötigt er für die Erledigung einer Aufgabe zusätzliche 'Power', so kann er sich mit anderen Rechnern zusammenschließen und die anstehende Aufgabe mit diesen gemeinsam lösen: 'Teamwork' weltweit.
2. Anwendungsentwicklungen
Eine Prognose der künftigen Entwicklung bei den Computer-Anwendungen ist vielleicht etwas sicherer abzugeben als bei der Hard- und Software: Kommunikation total ist angesagt. Dabei heißt es nicht nur 'jeder mit jedem', sondern 'jeder mit allem': die Unterhose mit ihrem Träger, der Träger mit der Kaffemaschine, die Kaffemaschine mit dem Supermarkt usw. Die mit dem Internet, der weltweiten Vernetzung von Computern und deren Anwendern, eingeleitete Entwicklung wird zum einen perfektioniert, zum anderen auf zusätzliche Bereiche ausgedehnt werden. Perfektioniert bedeutet zum einen höhere Übertragungsgeschwindigkeiten durch Verbesserung der Übertragungswege (Leitungen) und Weiterentwicklung der Übertragungsverfahren (Datenstrukturierung, Komprimierung usw.), zum anderen größere Unabhängigkeit von stationären Einrichtungen durch Funkverbindungen. Insbesondere die höheren Übertragungsgeschwindigkeiten und Bandbreiten erlauben die Übermittlung auch komplexer Datenbestände, wie z.B. von Bildmaterial in hoher digitaler Auflösung oder ganzer Bildfolgen (Filme) in akzeptablen Zeitspannen. Auch eine Folge der Miniaturisierung der Computer ist die Möglichkeit diese in alle möglichen Geräte zu integrieren und durch Funksignale miteinander in Verbindung treten zu lassen. Das 'fernbediente' Haus, in dem sich Lichter oder Heizung per Telefon ein- und ausschalten lassen, der Kühlschrank seine Nachfüllung selbstständig beim Supermarkt ordert - wenn z.B. 'errechnet' wird, dass das Eis für den Whiskey nicht mehr fürs Wochenende reicht - und das Auto in der Garage schon mal warmläuft, weil die Dusche das Ende der Morgentoilette meldet: dies alles und noch viel mehr ist heute schon möglich. Für sinnvolle derartige Anwendungen gibt es ein weites Feld, in den Bereichen der Produktion und der dabei erforderlichen Logistik für die Ressourcenbeschaffung oder ganz allgemein beim Business-to-Business lassen sich sicher auch wertvolle wirtschaftliche Vorteile erzielen.
Ganz kurz sei hier auf einige Entwicklungen eingegangen, die sozusagen ins Haus stehen: Bereits angesprochen wurden die vielfältigen Möglichkeiten, die Einrichtungen in einem Haus mit Computer-Logik auszustatten und fernzusteuern. Bill Gates, der Chef von Microsoft, hat dies mit seinem 'Cyberhome' bereits weitgehend in die Realität umgesetzt. Natürlich lässt sich dies auch auf den mobilen Teil, nämlich das Auto, erweitern: 'Navigationssysteme', die jederzeit feststellen können, wo sich ein Fahrzeug befindet und 'sehende Autos' mit bedienerloser Steuerung sind zum Teil bereits im Einsatz bzw. werden zügig entwickelt.
Einbezogen wird auch der Mensch: Wenn auch noch nicht konkret daran gedacht ist ihm einen Computer-Chip einzupflanzen (wie man dies bereits bei Tieren macht), um damit jede seiner Bewegungen zu überwachen, so soll (muss?) er doch künftig ständig ein Gerät bei sich tragen (Wallet-PC), mit dessen Hilfe er nicht nur 'ortbar' ist (was heute im Grunde schon mit jedem Mobiltelefon möglich ist), sondern mit dem er auch alle möglichen Geräte fernsteuern oder die Rechnung im Kaufhaus zahlen kann. Dieses Gerät kann aber auch, zusammen mit Sensoren und mit vielen weiteren Funktionen, in die Kleidung 'eingebaut', z.B. in Form von Metallfasern eingewebt werden. Die 'intelligente Unterhose', in der ein Sensor im Hosengummi die Temperatur misst und als Konsequenz die Raumtemperatur entsprechend regelt, wurde bereits entworfen (wenn auch nicht in Serie produziert). Jacken mit MP3-Player und Hosen mit eingebautem Handy werden schon von dem Jeanshersteller Levi´s und dem Elektrokonzern Philips entwickelt . Die einzelnen Computerbauteile werden dabei als einzelne Schichten in das Gewebe eingenäht.
Weniger futuristisch und bedrohlich ist das Thema 'Roomware'. Darunter versteht man den Einbau von Computern und deren peripheren Geräte wie Tastatur und Drucker in Büromöbel. Sie bilden Netzwerke und kommunizieren drahtlos miteinander(an entsprechenden Schnittstellen zwischen Computer und Peripherien, Bluetooth genannt, arbeiten namhafte Hersteller). Die Bedienung eines Computers oder der Aufruf bestimmter Programme ist nicht an einen bestimmten Arbeitsplatz gebunden, sondern kann von jeder Position im Raum aus, von jedem Stuhl, an jedem Tisch, an jeder Wandtafel vorgenommen werden. Zusätzliche Sensoren wie Kameras oder Mikrofone und entsprechende Programme sollen versuchen herauszufinden, wer sich gerade im Raum befindet und was er tun will und bieten geeignete Dienste an: elektronische Butler, die jederzeit nach Möglichkeiten suchen zu helfen. Solche Büros sind in den USA und in anderen Ländern, wenn auch noch nicht mit der letztmöglichen Funktionalität, im Einsatz. Die Mitarbeiter haben keinen festen Arbeitsplatz mehr, sie nutzen die Räume und die dort verfügbaren Computer entsprechend ihrer Anwesenheit bzw. den zu erledigenden Aufgaben. In manchen Arbeitsbereichen, z.B. in Vertrieb oder Beratung, in denen ein Arbeitsplatz nur relativ wenig benutzt wird, lassen sich dadurch erhebliche Beträge für Büromiete und Unterhalt einsparen
Last not least: UMTS (Universal Mobile Telecommunication System), der Weg zur mobilen Multimediawelt. Während heute die Daten noch weitgehend über Kupfer- oder Lichtleitungen zwischen den Computern hin- und hergeschickt werden, wobei dies vor allem bei größeren Datemengen auf Grund der möglichen Übertragungsgeschwindigkeiten (Zahl der je Zeiteinheit duchschleusbaren Informationseinheiten, bits) zeitliche Probleme aufwerfen kann, soll dies künftig per Funk, also drahtlos, vorgenommen werden. Die Versteigerung der für die Nutzung der geeigneten Frequenzen notwendigen Lizenzen hat für einigen Wirbel gesorgt und sie hat gezeigt, dass dieser Form der Kommunikation eine große, auch wirtschaftlich interessante Zukunft zugeschrieben wird. Mit einer theoretischen Übertragungsgeschwindigkeit von 2 Megabit pro Sekunde - dies entspricht der 32-fachen Geschwindigkeit einer ISDN-Leitung -, die allerdings in der Praxis auf bis zu 144 KB/Sekunde (oder weniger) reduziert wird, können zwischen mobilen Funkgeräten, ähnlich den derzeitigen Handys, nicht nur digitalisierte Sprache, sondern auch Bilder, Musikstücke und ganze Filme ausgetauscht werden. Mit dem Anschluss ans Internet - wie dies momentan mit dem allerdings sehr viel langsameren WAP (wireless application protocol) und 'normalen' Mobiltelefonen gemacht wird - stehen alle dort verfügbaren Informationen wirklich 'überall' abrufbereit zur Verfügung.
Ob und in welchem Umfang dies allerdings genutzt werden wird und ob die von den Medien bzw. den Geräte- und Diensteanbietern zusätzlich hochgespielte Begeisterung auf Dauer Bestand haben wird, sei hier zumindest angezweifelt. Zum einen ergibt sich die Frage, ob man wirklich an jedem Ort eine Verbindung zu seinem Bankkonto oder zum Shopping-Center benötigt - die gegenwärtige Entwicklung des E-Commerce-Marktes vom 'normalen' PC aus spricht eher dagegen - , zum anderen erscheint allein schon die Größe - oder Kleinheit - der eingesetzten Geräte problematisch. Man kann damit vielleicht telefonieren oder Musik hören (abgesehen von den dabei entstehenden Kosten für die Übertragung). Wer schon öfter SMS über seine Handy-Tastatur verschickt hat, wird kaum Lust haben umfangreichere Dateneingaben zu machen (oder er muss sich operativen Eingriffen zur Verkleinerung der Finger unterziehen). Und wer gewöhnt ist, Videos auf Breitbandfernsehern und Web-Sites auf 17-Zoll-Bildschirmen mit hoher Auflösung zu betrachten, wird sich kaum auf Dauer auf das 'Mäusekino' eines UMTS-Terminals einlassen.
Die beschriebenen technischen Entwicklungen haben natürlich - oder hoffentlich? - auch Auswirkungen auf den Einsatz der Informationstechnologie in den Museen und Archiven. Die trotz höherer Leistungsfähigkeit der Systeme gegebene Reduzierung der Anschaffungs- und Betriebskosten ermöglich auch den finanziell schwächeren Einrichtungen zunehmend Anwendungen in immer mehr Gebieten. Insbesondere die kostengünstigen großen Datenspeicher erlauben den verstärkten Einsatz im Bereich der Bilddokumentation. Die Objektverwaltung kann auch um digitales Bildmaterial ergänzt werden, die Möglichkeiten digitaler Bildverarbeitung, wie sie von Prof. Thaller auch im Rahmen der EDV-Tage Theuern mehrmals dargestellt wurden, können erweitert und ausgeschöpft werden. Aber auch die dargestellten Verbesserungen im multimedialen und kommunikativen Bereich werden sich für die Museen und Archive auswirken. Individuelle Besucherführungen und interaktive Erläuterungen zu ausgestellten Objekten werden durch kleine, mobile Computer möglich. Das Informationspotenzial des Internets kann themenspezifisch in die Museumspräsentation einbezogen werden, indem statische oder tragbare Internet-Terminals angeboten werden. Darüber hinaus bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Darstellung der Sammlungs- und Archivbestände im Internet an. Das Deutsche Museum in München zeigt auf seinen interaktiven Seiten, von denen schon jetzt Videofilme und Funktionsmodelle abgerufen werden können, welche Wege hier möglich sind.
Virtuelle Rekonstruktionen zerstörter Bauwerke, die Verfügbarkeit ganzer Sammlungen (von denen nur wenige Prozent in Realita ausgestellt sind - Uffizien in Florenz) und umfassende Bildarchive zu Kunst und Architektur oder mit Fotos aus allen Lebensbereichen sind möglich und werden zukünftig dank schnellerer Leitungsverbindungen auch intensiv genutzt werden können (fraglich ist allerdings, ob ein Rembrandt-Gemälde auf einem UMTS-Terminal ein großes Erlebnis darstellen wird). Mit Hilfe der neuen Medien können natürlich auch sonst streng unter Verschluss gehaltene und schon aus konservatorischen Gründen nicht benutzbare Archivalien 'geöffnet' werden.
Ob der Informations-Highway à la Bill Gates die Big-Brother-Vorstellungen von Georg Orwells '1984' Realität werden lassen und ob die unabsehbare Fülle der in Sekundenschnelle verfügbaren Informationen über alles und jedes die Menschheit eher zum Denken anregen oder sie in Stumpfsinn verfallen lassen wird: die zu erwartenden technischen und damit verbundenen organisatorischen Veränderungen unserer Umwelt erfordern aktive und kritische Menschen. Nicht die Sache an sich ist gefährlich, sondern der Umgang mit ihr, ihr Einsatz. Eine Atombombe kann in Bruchteilen einer Sekunde millionenfaches Leben zerstören, radioaktives Material wird aber auch in der Krebstherapie eingesetzt. Die neuen Kommunikations- und Informationsmedien haben das Potenzial, aus der gesamten Menschheit tumbe Roboter zu machen - oder sie zu völlig neuen Ufern aufbrechen zu lassen.
Ein weites Feld tut sich auf ...